Galerie Hubert Winter

Ingo Nussbaumer
11. Juni – 4. September 2010
Der Purist der reinen Logik hat seine Versuche nie aufgegeben, doch noch herauszubekommen, ob die wirkliche Welt, die wir bewohnen, eine rotierendes Gödel-Universum ist. Seine Anstrengungen waren jedoch nicht nötig. In tierem Sinne ist völlig klar, dass wir alle in einem Gödelschen Universum leben.
Die letzten Zeilen. In: Palle Yourgrau, Gödel, Einstein und die Folgen. Dt. v. K. Beginnen und S. Kuhlmann-Krieg, Mchn, Beck, 2005.

Ingo Nussbaumer. Ein Vorhabensbericht.

Alles hat mit der Geometrie begonnen. Platon hatte über den Eingang seiner Akademie einmeißeln lassen "Kein der Geometrie Unkundiger möge hier eintreten". Und im 6ten Buch seines Dialogs Politeia sagt er, dass Studenten der Geometrie "sich mit sichtbaren Figuren behelfen und sie untersuchen, denken aber dabei nicht an die Figuren, sondern an die Urbilder, denen sie gleichen". Auf der Suche nach diesen Urbildern folgen wir Ingo Nussbaumer, dessen einschüchternd theoretisches Wissen uns den Intellektuellen zeigt, ohne den Künstler zu vernachlässigen. Im nicht so fernen Mittelalter spalteten sich die Künste in zwei große Kategorien: die "mechanischen oder dienstbaren Künste" und die "liberalen Künste". Die Parole, mit der in der Überfülle von Diskursen, Abhandlungen, Denkschriften, Lektionen, Debatten und Dialogen der Künstler Nussbaumer aus dem Dunkel tritt, heisst Farbe. Sie ist der Schlüssel und das wissenschaftliche Pendant zu seinem Werk als Maler. Deren Erforschung ist ein komplexes Vorhaben seit Beginn seiner Zeit als Künstler.


Im Gespräch mit David Komary sagt Ingo Nussbaumer dazu:
Die Vervielfältigung des Bildgevierts hat in den früheren Arbeiten eine Verdichtung als auch subtile Abwandlungen von Farbe ermöglicht. Damit deutet sich bereits mein Thema der Schattierung an, das den Minimalisten fremd ist. Bei mir handelt es sich ja nicht nur um Wiederholungen des Bildgevierts, sondern um sich konstellierende Farbfelder und Farbbahnen. Hier können sich bereits spezifisch imaginäre Räume von Farbe öffnen, die sich aus dem Gegensatz von Farbbahn und Farbfeld konstituieren. Die neueren Arbeiten lösen sich sicher deutlicher von der Zentrierung und auch von der scheinbaren Symmetrie, die man bei älteren Bildern antreffen kann, aber der Gegensatz von Farbbahn und Farbfeld wirkt in ihnen weiter. Im weitesten Sinne verhandelt dieser Gegensatz auch das alte Thema von Figur und Grund auf neue Weise. Manche der älteren Bilder weisen zudem subtile, gezielte Symmetriebrüche auf, sozusagen kleine Verrückungen. Sie folgen auch keiner ausgleichenden Komposition. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um konstellative Situationen oder besser noch: um fragmentierte konstellierte Farbformen.

Am 30.Juni präsentieren wir ab 18Uhr Ingo Nussbaumer´s spektakuläres (Künstler-)Buch Rücknahme und Eingriff. Malerei der Anordnungen. Erschienen im Verlag für moderne Kunst, Nürnberg.

An diesem Abend können Sie die Sonderedition des Buches mit einem signierten Siebdruck um den Subskriptionspreis von 320.- Euro erwerben.